Seit 1928 bilden Toscolano und Maderno eine ununterbrochene Aneinanderreihung von Gebäuden und eine einzige Gemeinde. Ab dem 9. Jahrhundert war Maderno, dessen Wurzeln sehr weit zurückgehen, der wichtigste Ort der Riviera. Aus diesem Grunde verliehen die germanischen Herrscher Otto I. und Friedrich I. Barbarossa dem Städtchen besondere Privilegien, sowie die Gerichtshoheit über die Gegend. Somit wurde der Ort zum Sitz der „Magnifica Patria“, einem Bund von über vierzig Gemeinden am Westufer des Gardasees. Durch den Eingriff von Beatrice della Scala, der Gattin des Mailänder Fürsten Bernabò Visconti, verlor das Städtchen im Jahre 1337 seinen Titel und seine Vormachtstellung, die es an Salò abtreten musste, das nun zum neuen Regierungszentrum avancierte. Maderno war beliebter Wohnsitz der Gonzagas, der Fürsten von Mantua, die hier mehrere Palazzi bauen ließen. Darunter befand sich auch der Palazzo Nuovo, der im 17. Jahrhundert errichtet, allerdings nur wenige Zeit darauf zerstört wurde - ein Schicksal, das er mit der anliegenden Palazzina del Serraglio teilte, die für amouröse Rendevouz genutzt wurde. In den letzten Jahrhunderten stand Maderno zunächst unter der Kontrolle der Republik Venetien und ab Ende des 18. Jahrhunderts unter der Herrschaft von Brescia. Toscolano gehört wahrscheinlich zu den ersten besiedelten Orte des Gardasees überhaupt. Man geht davon aus, dass sich an diesem Ort einst die antike Stadt Benacum befand, von der sich der erste Name des Sees, der von den Römern Benacus genannt wurde, herleiten lässt. Der Legende zufolge wurde Benacum im Jahre 243 n. Chr. durch eine plötzliche Naturkatastrophe zerstört, die das ganze Dorf mitsamt der römischen Villa der Familie der Nonii Arii in den See spülte. Der Name Toscolano scheint aber auf eine noch frühere Besiedlung durch die Etrusker hinzudeuten, die noch vor den Römern hier gelebt haben sollen. Ab dem 14. Jahrhundert machte sich Toscolano Maderno mit seinen Papierfabriken, die zahlreiche Druckereien Venedigs und Norditaliens belieferten, einen Namen. Die Bekanntheit war anscheinend so groß, dass die Bewohner des Gardasees im Jahre 1510 dem französischen König Louis XII neben Öl und Oliven auch Papier aus Toscolano schenkten. Besonders bekannt ist die Typographie der Brüder Paganini, die im 16. Jahrhundert die lateinischen Klassiker druckten. Noch heute zeugt das Valle delle Cartiere, das Tal der Papierfabriken, von dieser alten, hier betriebenen Aktivität. Im 16. Jahrhundert geriet Toscolano unter die Herrschaft Venedigs, die nur kurz durch den Sieg der Liga von Cambray unterbrochen wurde. Später fiel es an die Provinz Brescia. Heute stützt sich die lokale Wirtschaft nicht nur auf den Tourismus, sondern auch auf die Papierherstellung.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Maderno
Am kleinen Golf befindet sich die romanische Kirche S. Andrea, die durch ihre Fassade aus buntem Marmor und das zentrale Fenster beeindruckt. Die Kirche wurde im 10. Jahrhundert errichtet und im 12. Jahrhundert umgebaut. Wirklich bezaubernd ist die Seepromenade, an deren Beginn die S. Ercolano, dem Schutzpatron der Riviera, gewidmete Pfarrkirche steht. Die im 18. Jahrhundert errichtete Kirche beherbergt ein Gemälde von Paolo Veronese. Oberhalb des Golfes, der durch seine wunderschönen Villen besticht, steht die kleine Kirche Maderno. Von hier genießt man einen traumhaften Blick. Nichts erinnert hingegen mehr an die prächtige Villa, die von der Familie Gonzaga gebaut worden war.
Toscolano
In der Nähe der Wallfahrtskirche Santa Maria del Benaco aus dem 17. Jahrhundert befinden sich Überreste der römischen Villa der Dynastie der Nonii Arii, die in der Kaiserzeit errichtet worden war. Zu bewundern sind noch die römischen Mosaikböden. Mit dieser Villa, die im 3. Jahrhundert n. Chr. im See untergegangen war, entstand die Legende von Benacum, der alten überfluteten Siedlung. Die Wallfahrtskirche Santa Maria erhebt sich an einem Ort, an dem einst ein alter römischer Jupiter-Tempel stand, von dem einige Säulen erhalten geblieben sind. Im Zentrum befindet sich der Dom SS. Pietro e Paolo, der zahlreiche Werke des venezianischen Malers Andrea Celesti beherbergt. Celesti war im 17. Jahrhundert ins Exil an die Riviera geschickt worden, weil er angeblich den Dogen Andrea Grimani mit zwei Eselsohren gemalt hatte. Im historischen Ortskern sind einige interessante Palazzi sehenswert: der Palazzo Fioravanti aus dem 16. Jahrhundert, der Palazzo Comboni mit seinen Stuckarbeiten im Rokoko-Stil und der Palazzo Delay. An der Staatsstrasse, die nach Riva del Garda führt, trifft man auf die Villa Bettoni, ein Bauwerk im neoklassischen Stil aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist von einem Garten umgeben, der vom Architekten Amerigo Vincenzi entworfen wurde, der auch wegen seiner zahlreichen Park-Projekte in der Provinz Florenz bekannt ist. Die Villa beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung. Erwähnenswert ist schließlich der botanische Garten „Giordano Emilio Ghirardi” (Tel. 0365 71449)
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